Tamiflu (Oseltamivir) Kapseln bei Influenza
Tamiflu ist ein oraler Neuraminidase-Hemmer mit dem Wirkstoff Oseltamivir. Es wird bei Erwachsenen und Kindern zur Behandlung und Prophylaxe der Influenza A und B eingesetzt; der größte Nutzen ergibt sich bei Therapiebeginn innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn.
- Wirkstoffe
- Oseltamivir
- Hersteller
- Roche
- Darreichungsformen
- capsule, oral suspension
- Verfügbare Dosierungen
- 30mg, 45mg, 75mg
- Kategorie
- Antivirale Arzneimittel
What is it?
Tamiflu ist die ursprüngliche Marke von Oseltamivir und wird seit der Zulassung 1999 von Roche vertrieben. Es ist als orale Kapsel zu 30 mg, 45 mg und 75 mg sowie als orale Suspension erhältlich. Tamiflu ist verschreibungspflichtig und steht auf der WHO-Liste der unentbehrlichen Arzneimittel. Viele Regierungen haben Tamiflu zur Pandemievorsorge bevorratet, wobei das Ausmaß des klinischen Nutzens bei der saisonalen Routineinfluenza in Evidenzbewertungen diskutiert wird.
Wirkstoffe
Jede Kapsel enthält Oseltamivir (als Phosphat) als einzigen Wirkstoff, entsprechend 30 mg, 45 mg oder 75 mg Oseltamivir-Base. Oseltamivir ist ein Neuraminidase-Hemmer, der die Freisetzung neu gebildeter Influenzaviren aus infizierten Zellen blockiert.
Forms and dosages
Tamiflu wird oral mit oder ohne Nahrung eingenommen, vorzugsweise mit Nahrung, um gastrointestinale Nebenwirkungen zu reduzieren. Laut Fachinformation beträgt die übliche Erwachsenendosis zur Behandlung 75 mg zweimal täglich über 5 Tage und zur Postexpositionsprophylaxe 75 mg einmal täglich über 7–10 Tage. Die Pädiatrie-Dosierung erfolgt gewichtsbezogen unter Verwendung der oralen Suspension. Bei Niereninsuffizienz ist eine deutliche Dosisreduktion erforderlich.
Anwendungsgebiete
Tamiflu ist bei Erwachsenen und Kindern zur Behandlung der akuten unkomplizierten Influenza A und B zugelassen, sofern die Behandlung innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn eingeleitet wird, sowie zur Postexpositionsprophylaxe der Influenza A und B bei Patienten ab einem Jahr. Laut internationalen Leitlinien wird die Behandlung bei Patienten mit hohem Komplikationsrisiko, bei stationärer Aufnahme und bei schwerer progredienter Erkrankung empfohlen. Die routinemäßige Behandlung von Niedrigrisikopatienten mit milder Influenza ist umstritten.
Wirkmechanismus
Oseltamivir ist ein Prodrug, das durch hepatische Esterasen rasch zum aktiven Metaboliten Oseltamivir-Carboxylat hydrolysiert wird. Dieser hemmt selektiv das Enzym Neuraminidase auf der Oberfläche von Influenza-A- und -B-Viren. Die Neuraminidase wird für die Freisetzung neu gebildeter Virionen aus infizierten Zellen sowie für die Verbreitung des Virus durch den respiratorischen Schleim benötigt; ihre Hemmung reduziert daher die Virusvermehrung und die klinische Symptomatik, sofern die Behandlung früh begonnen wird.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist Tamiflu am wirksamsten? ▾
Tamiflu ist am wirksamsten, wenn die Behandlung innerhalb von 48 Stunden nach Beginn der Influenzasymptome, idealerweise innerhalb von 24 Stunden, eingeleitet wird. Eine frühere Behandlung führt zu einer stärkeren Verkürzung der Symptomdauer. Laut internationalen Leitlinien sollte eine Behandlung auch nach 48 Stunden bei stationär aufgenommenen Patienten mit schwerer Erkrankung oder hohem Komplikationsrisiko erwogen werden, da der Nutzen über das frühe Zeitfenster hinaus bestehen kann. Die Indikation muss vom verschreibenden Arzt beurteilt werden.
Kann Tamiflu nach einer Exposition Influenza verhindern? ▾
Ja. Die Postexpositionsprophylaxe mit Tamiflu ist bei Patienten ab einem Jahr nach engem Kontakt mit einem bestätigten oder vermuteten Influenzafall zugelassen, insbesondere bei Ausbrüchen in Haushalten oder Einrichtungen. Laut Fachinformation wird die Prophylaxe in der Regel über 7–10 Tage nach Exposition gegeben. Die Impfung bleibt die wichtigste präventive Strategie und sollte nicht durch eine antivirale Prophylaxe ersetzt werden.
Wirkt Tamiflu bei COVID-19? ▾
Nein. Oseltamivir ist ein Neuraminidase-Hemmer, der ausschließlich gegen Influenza-A- und -B-Viren wirksam ist. Es zeigt keine Aktivität gegen SARS-CoV-2 (das Virus, das COVID-19 verursacht) oder andere Atemwegsviren wie das respiratorische Synzytial-Virus oder Rhinoviren. Laut Fachinformation und aktuellen klinischen Leitlinien soll Tamiflu nicht bei nicht durch Influenza verursachten Atemwegsinfektionen eingesetzt werden. Für COVID-19 stehen spezifische Virostatika zur Verfügung, die mit einem Arzt besprochen werden sollten.
Warum muss die Dosis bei Nierenerkrankung reduziert werden? ▾
Oseltamivir-Carboxylat wird unverändert renal ausgeschieden, sodass eine Niereninsuffizienz die Plasmakonzentrationen deutlich erhöht und das Risiko von Nebenwirkungen steigert. Laut Fachinformation wird die Dosis nach der Kreatinin-Clearance reduziert, mit spezifischen Empfehlungen für Patienten unter Hämodialyse und Peritonealdialyse. Die Nierenfunktion sollte vor Behandlungsbeginn beurteilt werden, insbesondere bei älteren Patienten.
Was sind die wichtigsten Gegenanzeigen für Tamiflu? ▾
Tamiflu ist bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Oseltamivir oder dessen Hilfsstoffen kontraindiziert. Vorsicht ist geboten bei Niereninsuffizienz (mit obligater Dosisanpassung), bei jüngeren Kindern (gewichtsbezogene Dosierung), in Schwangerschaft und Stillzeit (wo der Nutzen die Risiken in der Regel überwiegt) sowie bei Patienten mit früheren neuropsychiatrischen Reaktionen. Laut Fachinformation muss vor jeder Verordnung die Anamnese durch einen Arzt überprüft werden.
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