Raloxifen
Raloxifen ist ein selektiver Estrogenrezeptormodulator (SERM) zur Prävention der postmenopausalen Osteoporose und zur Senkung des Risikos für invasiven Brustkrebs. Er aktiviert Estrogenrezeptoren im Knochen, blockiert sie jedoch in Brust und Uterus, mit gezieltem Nutzen ohne die Effekte einer HRT.
- Summenformel
- C28H27NO4S
- CAS-Nummer
- 84449-90-1
- ATC-Code
- G03XC01
- Molekulargewicht
- 473.59 g/mol
- Wirkstoffklasse
- Selective estrogen receptor modulator (SERM)
- Auch bekannt als
- Evista, Optruma
What is it?
Raloxifen ist ein SERM (selektiver Estrogenrezeptormodulator), der von Eli Lilly entwickelt und 1997 als Evista von der FDA zur Prävention der postmenopausalen Osteoporose zugelassen wurde; 1999 kam die Behandlungsindikation, 2007 die Reduktion des Brustkrebsrisikos hinzu. Generisches Raloxifen ist seit 2014 weit verbreitet. Optruma ist der europäische Handelsname. Raloxifen steht für die Prävention von Brustkrebs auf der WHO-Liste unentbehrlicher Arzneimittel.
Wirkmechanismus
Raloxifen bindet an Estrogenrezeptoren und entfaltet gewebeselektive Effekte: estrogenagonistische Aktivität im Knochen (Erhalt der Knochendichte) und im Lipidstoffwechsel (Senkung des LDL-Cholesterins) sowie estrogenantagonistische Aktivität in Brust- und Uterusgewebe (Reduktion des Brustkrebsrisikos und keine endometriale Stimulation). Diese Selektivität ist die Grundlage des SERM-Konzepts – die ossären Vorteile der Estrogene zu erhalten, ohne die brust- oder endometriumassoziierten Risiken einzugehen.
Pharmacokinetics
Raloxifen wird oral gut resorbiert, weist jedoch nach ausgeprägter First-Pass-Glucuronidierung eine Bioverfügbarkeit von nur etwa 2 % auf; trotz niedriger Bioverfügbarkeit gewährleistet die anhaltende enterohepatische Rezirkulation wirksame Gewebekonzentrationen. Die terminale Halbwertszeit beträgt etwa 32 Stunden, was eine einmal tägliche Gabe ermöglicht. Raloxifen wird überwiegend über die Faeces ausgeschieden. Der CYP3A4-Metabolismus ist gering; relevante Arzneimittelinteraktionen sind selten.
Indications
Raloxifen ist zur Prävention und Behandlung der postmenopausalen Osteoporose sowie zur Reduktion des Risikos für invasiven Brustkrebs bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Risiko zugelassen. Laut aktuellen Osteoporose-Leitlinien ist Raloxifen eine sinnvolle Option für postmenopausale Frauen mit Osteoporose und gleichzeitig erhöhtem Brustkrebsrisiko, während Bisphosphonate für die Frakturprävention weiterhin Mittel der ersten Wahl sind. Die Reduktion des Brustkrebsrisikos wird durch die Studien STAR und MORE belegt.
Safety profile
Häufige Nebenwirkungen sind Hitzewallungen (paradoxerweise häufig, da Raloxifen ein partieller Estrogenagonist/-antagonist ist), Wadenkrämpfe und periphere Ödeme. Die wichtigste Nebenwirkung ist die venöse Thromboembolie mit einem relativen Risiko, das einer oralen Estrogen-HRT entspricht. Laut aktuellen Leitlinien ist Raloxifen bei Frauen mit aktiver oder früherer VTE kontraindiziert und wird bei Frauen mit erhöhtem VTE-Risiko vermieden. Anders als die HRT lindert es keine Wechseljahresbeschwerden und kann Hitzewallungen verstärken.
Arzneimittel mit diesem Wirkstoff
Häufig gestellte Fragen
Wie schneidet Raloxifen im Vergleich zu Bisphosphonaten bei Osteoporose ab? ▾
Bisphosphonate (Alendronat, Risedronat) reduzieren sowohl vertebrale als auch nichtvertebrale Frakturen um etwa 50 %, während Raloxifen die vertebralen Frakturen um rund 30 % senkt und auf Hüft- und andere nichtvertebrale Frakturen weniger Einfluss hat. Laut aktuellen Osteoporose-Leitlinien sind Bisphosphonate für die meisten Patientinnen die erste Wahl; Raloxifen wird bevorzugt, wenn gleichzeitig eine Reduktion des Brustkrebsrisikos angestrebt wird oder Bisphosphonate nicht vertragen werden.
Ist Raloxifen dasselbe wie eine HRT? ▾
Nein. Raloxifen ist ein SERM mit gewebeselektiver Wirkung – agonistisch im Knochen, antagonistisch in Brust und Uterus. Eine HRT (Estradiol oder konjugierte Estrogene) entfaltet in allen Geweben volle estrogenagonistische Wirkung. Raloxifen verhindert daher den Knochenmasseverlust und senkt das Brustkrebsrisiko, lindert jedoch keine Hitzewallungen oder urogenitalen Symptome und kann Hitzewallungen verstärken. Laut aktuellen Menopause-Leitlinien wird Raloxifen nicht zur symptomorientierten HRT eingesetzt.
Wie hoch ist das VTE-Risiko unter Raloxifen? ▾
Raloxifen verdoppelt das VTE-Risiko gegenüber Placebo annähernd, vergleichbar mit oraler Estrogen-HRT. Laut Fachinformation ist Raloxifen bei Frauen mit aktiver oder früherer VTE, längerer Immobilisation oder erhöhten thrombophilen Risikofaktoren kontraindiziert. Das Arzneimittel wird bei längerer Immobilisation (z. B. nach Operationen) pausiert und bei Frauen mit neu auftretenden VTE-Risikofaktoren abgesetzt.
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