Metformin
Metformin ist ein orales Biguanid und die pharmakologische Erstlinientherapie bei Typ-2-Diabetes. Es senkt die hepatische Glukoseproduktion und verbessert die periphere Insulinempfindlichkeit, gestützt auf eine langjährige klinische Erfahrung.
- Summenformel
- C4H11N5
- CAS-Nummer
- 657-24-9
- ATC-Code
- A10BA02
- Molekulargewicht
- 129.16 g/mol
- Wirkstoffklasse
- Biguanide
- Auch bekannt als
- Dimethylbiguanide, Metformina
What is it?
Metformin ist ein niedermolekulares Biguanid, abgeleitet von Galegin, einem seit den 1920er Jahren untersuchten Alkaloid aus Galega officinalis. Es wurde 1958 im Vereinigten Königreich und 1995 in den USA zugelassen und ist heute weltweit das am häufigsten verschriebene orale Antidiabetikum. Metformin steht auf den Listen unentbehrlicher Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation und ist als unretardierte und retardierte Tabletten sowie in fixen Kombinationen mit weiteren Antidiabetika erhältlich.
Wirkmechanismus
Die Hauptwirkung von Metformin besteht in der Hemmung der hepatischen Glukoseproduktion durch Hemmung des mitochondrialen Komplexes I, wodurch das zelluläre AMP/ATP-Verhältnis erhöht und die AMP-aktivierte Proteinkinase aktiviert wird. Sekundär wird die periphere Insulinempfindlichkeit moderat verbessert; daneben treten Veränderungen der Darmmikrobiota und der Gallensäuresignalisierung auf, die zur glykämischen Wirkung beitragen können. Da Metformin die Insulinsekretion nicht stimuliert, ist sein intrinsisches Hypoglykämierisiko gering. Der Einfluss auf das Körpergewicht ist meist neutral oder leicht günstig.
Pharmacokinetics
Metformin wird im Dünndarm resorbiert, mit einer absoluten Bioverfügbarkeit von etwa 50 % bis 60 % unter Nüchternbedingungen. Die Plasmaproteinbindung ist vernachlässigbar; der Wirkstoff wird unverändert renal über tubuläre Sekretion ausgeschieden. Die terminale Halbwertszeit beträgt für die unretardierte Form etwa fünf Stunden. Niereninsuffizienz reduziert die Clearance erheblich und erhöht die Plasmakonzentrationen, weshalb die Fachinformation eGFR-basierte Dosisanpassungen und Gegenanzeigen vorsieht.
Indications
Metformin ist als orale Erstlinientherapie bei Erwachsenen und ausgewählten pädiatrischen Populationen mit Typ-2-Diabetes mellitus indiziert, allein oder in Kombination mit anderen Antidiabetika einschließlich Insulin. Off-Label- oder erweiterte Zulassungen umfassen in einigen Ländern das polyzystische Ovarialsyndrom, Prädiabetes und Gestationsdiabetes unter spezialärztlicher Betreuung. Laut internationalen Leitlinien sollte Metformin bei der Diagnose bei den meisten Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes erwogen werden, sofern keine Gegenanzeigen vorliegen.
Safety profile
Häufigste Nebenwirkungen sind gastrointestinaler Natur: Übelkeit, Diarrhö, Bauchbeschwerden und metallischer Geschmack, oft gemildert durch schrittweise Aufdosierung, Einnahme zu den Mahlzeiten oder Verwendung der Retardformulierung. Bei Langzeitanwendung kann ein Vitamin-B12-Mangel auftreten. Die schwerwiegendste, jedoch seltene Nebenwirkung ist die Laktatazidose, fast ausschließlich bei Patienten mit erheblicher Niereninsuffizienz, schwerer Herzinsuffizienz, Sepsis oder Hypoxie. Laut Fachinformation ist Metformin unterhalb bestimmter eGFR-Schwellen kontraindiziert und sollte bei jodhaltigen Kontrastmitteln oder vor Operationen vorübergehend pausiert werden.
Arzneimittel mit diesem Wirkstoff
Häufig gestellte Fragen
Warum gilt Metformin als Erstlinientherapie bei Typ-2-Diabetes? ▾
Internationale Leitlinien empfehlen Metformin bei Diagnose bei den meisten Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes wegen seines günstigen Verhältnisses von Wirksamkeit, Sicherheit, Verträglichkeit und Kosten. Es bewirkt eine relevante HbA1c-Senkung ohne intrinsisches Hypoglykämierisiko, ist gewichtsneutral und verfügt über eine langjährige klinische Erfahrung. Metformin lässt sich mit den meisten anderen Antidiabetika kombinieren und bildet damit eine flexible Basis für die Therapieintensivierung.
Verursacht Metformin niedrigen Blutzucker? ▾
Metformin stimuliert die Insulinsekretion nicht und trägt daher in Monotherapie ein sehr geringes intrinsisches Hypoglykämierisiko. Hypoglykämien können dennoch auftreten, wenn zusätzlich Insulin oder Sulfonylharnstoffe gegeben werden, insbesondere im Nüchternzustand, bei längerer körperlicher Anstrengung oder Alkoholkonsum. Laut Fachinformation kann eine Dosisanpassung von Insulin oder Insulinsekretagoga erforderlich sein, wenn Metformin hinzugefügt oder abgesetzt wird, unter ärztlicher Aufsicht.
Unterscheidet sich die Retardform von der Standardform? ▾
Die Retardtablette enthält denselben Wirkstoff wie die unretardierte Form, ist jedoch so konzipiert, dass Metformin über mehrere Stunden freigesetzt wird. Dies verbessert oft die gastrointestinale Verträglichkeit, ermöglicht eine einmal tägliche Einnahme und kann Therapieabbrüche reduzieren. Die glykämische Wirksamkeit ist bei gleicher Tagesdosis weitgehend vergleichbar. Die Wahl zwischen den Formulierungen trifft der verschreibende Arzt basierend auf Verträglichkeit und Adhärenz.
Ist Metformin langfristig sicher? ▾
Metformin wird seit Jahrzehnten klinisch eingesetzt und verfügt über eine umfangreiche Sicherheitsdatenlage. Die Langzeitanwendung kann bei einigen Patienten Vitamin-B12-Spiegel senken, weshalb eine periodische Überwachung empfohlen wird, insbesondere bei älteren Personen oder bei peripherer Neuropathie. Laut klinischen Leitlinien sollte zudem die Nierenfunktion regelmäßig kontrolliert werden, da Dosierungen und Gegenanzeigen von der glomerulären Filtrationsrate abhängen.
Was sind die wichtigsten Gegenanzeigen für Metformin? ▾
Metformin ist kontraindiziert bei schwerer Niereninsuffizienz unterhalb bestimmter, in der nationalen Fachinformation festgelegter eGFR-Schwellen, bei akuten oder chronischen Erkrankungen mit Gewebehypoxie wie dekompensierter Herzinsuffizienz, bei Leberinsuffizienz, bei akuter Alkoholintoxikation sowie bei bekannter Überempfindlichkeit. Laut Fachinformation sollte die Behandlung im Zusammenhang mit jodhaltigen Kontrastmitteln und größeren Operationen vorübergehend unterbrochen werden.
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