Gabapentin
Gabapentin ist ein orales Gabapentinoid für Erwachsene und Kinder bei fokalen Anfällen sowie für Erwachsene bei postherpetischer Neuralgie. Es wird zudem häufig off-label bei verschiedenen neuropathischen Schmerzzuständen und beim Restless-Legs-Syndrom eingesetzt.
- Summenformel
- C9H17NO2
- CAS-Nummer
- 60142-96-3
- ATC-Code
- N03AX12
- Molekulargewicht
- 171.24 g/mol
- Wirkstoffklasse
- Gabapentinoid (alpha-2-delta ligand)
- Auch bekannt als
- CI-945, Gabapentina
What is it?
Gabapentin wurde 1993 als Antiepileptikum und 2002 für die postherpetische Neuralgie zugelassen. Es ist als orale Kapseln, Tabletten, orale Lösung und als Gabapentin-Enacarbil-Retardtabletten erhältlich. Gabapentin ist ausschließlich verschreibungspflichtig und wird in einigen Rechtsräumen aufgrund von Missbrauchsbedenken als kontrollierter Stoff eingestuft. Weltweit sind zahlreiche zugelassene Generika verfügbar.
Wirkmechanismus
Gabapentin ist ein strukturelles Analogon der Gamma-Aminobuttersäure (GABA), bindet jedoch nicht an GABA-Rezeptoren. Es bindet an die Alpha-2-Delta-Hilfsuntereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle im zentralen Nervensystem, wodurch der präsynaptische Calciumeinstrom und die Freisetzung exzitatorischer Neurotransmitter wie Glutamat, Noradrenalin und Substanz P reduziert werden. Die Folge sind antikonvulsive und analgetische Wirkungen, insbesondere in neuropathischen Schmerzbahnen.
Pharmacokinetics
Orales Gabapentin weist eine sättigbare Resorption über den L-Aminosäure-Transporter auf, weshalb die Bioverfügbarkeit mit steigender Dosis abnimmt (etwa 60 % bei 300 mg dreimal täglich, niedriger bei höheren Dosen). Diese nichtlineare Pharmakokinetik unterscheidet es von Pregabalin. Die Plasmaproteinbindung ist vernachlässigbar. Gabapentin wird unverändert renal ausgeschieden, mit einer Plasmahalbwertszeit von etwa 5 bis 7 Stunden. Bei Niereninsuffizienz ist eine erhebliche Dosisreduktion erforderlich.
Indications
Gabapentin ist bei Erwachsenen und Kindern ab 3 Jahren als Zusatztherapie bei fokalen Anfällen und bei Erwachsenen bei postherpetischer Neuralgie zugelassen. Gabapentin-Enacarbil-Retardtabletten sind in einigen Märkten zudem für das Restless-Legs-Syndrom und die postherpetische Neuralgie zugelassen. Laut internationalen Leitlinien wird Gabapentin außerdem häufig off-label bei diabetischer peripherer Neuropathie und anderen neuropathischen Schmerzsyndromen eingesetzt.
Safety profile
Häufige Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit, Schwindel, Ataxie, periphere Ödeme und Gewichtszunahme. Die Kombination von Gabapentin mit Opioiden erhöht das Risiko einer Atemdepression. Missbrauch und Abhängigkeit wurden insbesondere bei Patienten mit Substanzgebrauchsstörungen berichtet. Laut Fachinformation können nach abruptem Absetzen Entzugserscheinungen auftreten, weshalb die Dosis schrittweise reduziert werden sollte. Bei Niereninsuffizienz ist eine erhebliche Dosisreduktion erforderlich.
Arzneimittel mit diesem Wirkstoff
Häufig gestellte Fragen
Worin unterscheidet sich Gabapentin von Pregabalin? ▾
Beide binden an die Alpha-2-Delta-Untereinheit der Calciumkanäle und werden in ähnlichen Indikationen eingesetzt, doch Pregabalin weist eine lineare Pharmakokinetik und höhere Bioverfügbarkeit auf, während Gabapentin bei höheren Dosen eine sättigbare Resorption zeigt. Dadurch erreicht Pregabalin wirksame Plasmaspiegel zuverlässiger und bei niedrigeren Dosen, wenngleich die klinische Wirksamkeit bei neuropathischen Schmerzen unter angemessenen Dosen weitgehend vergleichbar ist. Laut internationalen Leitlinien trifft der verschreibende Arzt die Auswahl.
Warum muss Gabapentin eintitriert werden? ▾
Gabapentin erfordert eine schrittweise Titration, um Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Schwindel und Ataxie zu minimieren, die zu Beginn am stärksten ausgeprägt sind. Laut Fachinformation beginnt die übliche Titration mit 300 mg an Tag 1, 300 mg zweimal täglich an Tag 2, 300 mg dreimal täglich an Tag 3 und wird bei Bedarf weiter erhöht. Therapeutische Dosen liegen üblicherweise bei 1800-3600 mg pro Tag in geteilten Dosen. Ein abruptes Absetzen sollte vermieden werden.
Warum muss die Dosis bei Nierenerkrankung reduziert werden? ▾
Gabapentin wird unverändert renal ausgeschieden, weshalb eine Niereninsuffizienz die Plasmakonzentrationen erheblich erhöht und das Risiko unerwünschter Wirkungen wie Sedierung, Ataxie und kognitiver Beeinträchtigung steigert. Laut Fachinformation wird die Dosis nach Kreatinin-Clearance angepasst, einschließlich bei Dialysepatienten mit Zusatzdosen nach der Sitzung. Die Nierenfunktion sollte vor Behandlungsbeginn und danach regelmäßig beurteilt werden.
Ist Gabapentin ein kontrollierter Stoff? ▾
Gabapentin wurde mit Missbrauch und körperlicher Abhängigkeit in Verbindung gebracht, insbesondere bei Patienten mit Substanzgebrauchsstörungen oder in Kombination mit Opioiden. Es ist in einigen Rechtsräumen, darunter einige US-Bundesstaaten, als kontrollierter Stoff eingestuft, jedoch nicht auf Bundesebene. Laut behördlichen Mitteilungen sollten verschreibende Ärzte die Suchtanamnese erheben und auf Missbrauch achten, insbesondere bei höheren Dosen oder in Kombination mit Opioiden.
Was sind die wichtigsten Gegenanzeigen für Gabapentin? ▾
Gabapentin ist kontraindiziert bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Gabapentin oder seine Hilfsstoffe. Vorsicht ist geboten bei Niereninsuffizienz (mit obligatorischer Dosisanpassung), gleichzeitiger Anwendung von ZNS-dämpfenden Substanzen einschließlich Opioiden, bei älteren Patienten sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Laut Fachinformation muss die Krankengeschichte vor jeder Verschreibung durch einen Arzt überprüft werden, insbesondere bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung oder Suchtanamnese.
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