Furosemid
Furosemid ist ein potentes Schleifendiuretikum zur Behandlung von Flüssigkeitsüberladung (Ödeme) bei Herzinsuffizienz, Nierenerkrankungen und Leberzirrhose sowie als Zweitlinienoption bei arterieller Hypertonie. Vermarktet als Lasix und als zugelassene Generika in oraler und intravenöser Form.
- Summenformel
- C12H11ClN2O5S
- CAS-Nummer
- 54-31-9
- ATC-Code
- C03CA01
- Molekulargewicht
- 330.7 g/mol
- Wirkstoffklasse
- Loop diuretic
- Auch bekannt als
- Frusemide, Lasix
What is it?
Furosemid ist das am häufigsten eingesetzte Schleifendiuretikum, in den 1960er Jahren zugelassen und auf der WHO-Liste unentbehrlicher Arzneimittel. Es wurde ursprünglich von Hoechst (heute Sanofi) unter dem Markennamen Lasix entwickelt und vermarktet, mit zugelassenen Generika seit den 1980er Jahren breit verfügbar. Furosemid gehört weltweit zu den am häufigsten verschriebenen kardiovaskulären Arzneimitteln, insbesondere zur Behandlung der Flüssigkeitsüberladung bei Herzinsuffizienz, chronischer Nierenerkrankung und Leberzirrhose sowie als Antihypertensivum der zweiten Linie, wenn Erstlinienoptionen unzureichend sind.
Wirkmechanismus
Furosemid wirkt am dicken aufsteigenden Ast der Henle-Schleife der Niere, wo es den Na+/K+/2Cl--Cotransporter (NKCC2) hemmt. Dadurch werden die Rückresorption von Natrium, Chlorid, Kalium und Wasser blockiert, was eine starke diuretische Wirkung erzeugt. Durch die rasche Reduktion des Gesamtkörperwassers und Natriums senkt Furosemid das zirkulierende Blutvolumen und die kardialen Füllungsdrücke, wodurch pulmonale und periphere Stauung gelindert werden. Die Substanz hat zudem geringfügige Effekte auf den Calcium- und Magnesiumhaushalt sowie auf die renale Durchblutung.
Pharmacokinetics
Nach oraler Gabe wird Furosemid innerhalb von 30 bis 60 Minuten resorbiert, mit maximalen Plasmakonzentrationen nach 1 bis 2 Stunden. Die orale Bioverfügbarkeit ist variabel (50-70 %) und insbesondere bei Patienten mit Herzinsuffizienz aufgrund eines Darmwandödems vermindert. Die Substanz ist stark proteingebunden und wird hauptsächlich renal als unveränderter Wirkstoff ausgeschieden. Die terminale Halbwertszeit beträgt bei gesunden Erwachsenen etwa 1,5 bis 2 Stunden, ist jedoch bei Niereninsuffizienz verlängert. Der Wirkungseintritt nach intravenöser Gabe erfolgt innerhalb von 5 Minuten.
Indications
Furosemid ist zugelassen zur Behandlung der Flüssigkeitsüberladung bei Herzinsuffizienz, chronischer Nierenerkrankung und Leberzirrhose (mit oder ohne Aszites) sowie bei akutem Lungenödem. Es ist auch zur Behandlung der arteriellen Hypertonie zugelassen, wobei in dieser Indikation Thiaziddiuretika in der Regel als Erstlinientherapie bevorzugt werden. Intravenöses Furosemid wird im Krankenhaus zur raschen Linderung akuter Flüssigkeitsüberladung eingesetzt. Die Substanz ist nicht zur Gewichtsreduktion oder als Routinebehandlung leichter abhängiger Ödeme ohne zugrunde liegende medizinische Ursache zugelassen.
Safety profile
Häufige Nebenwirkungen sind Elektrolytstörungen (niedriges Kalium, Magnesium, Natrium, Calcium), Volumendepletion, Schwindel beim Aufstehen sowie erhöhte Serumharnsäure (mit möglichen Gichtanfällen). Höhere Dosen oder rasche intravenöse Infusionen können Ototoxizität verursachen, insbesondere bei Patienten mit Niereninsuffizienz. Allergische Reaktionen, einschließlich Kreuzreaktivität mit Sulfonamid-Antibiotika, sind selten, aber dokumentiert. Laut Fachinformation ist während der Behandlung eine regelmäßige Überwachung von Elektrolyten, Nierenfunktion und Blutdruck erforderlich.
Arzneimittel mit diesem Wirkstoff
Häufig gestellte Fragen
Wie schnell wirkt Furosemid? ▾
Der Wirkungseintritt nach oraler Gabe beträgt typischerweise 30 bis 60 Minuten, mit maximaler diuretischer Wirkung innerhalb von 1 bis 2 Stunden und einer Gesamtwirkdauer von etwa 6 Stunden. Intravenöses Furosemid wirkt innerhalb von 5 Minuten und wird im Krankenhaus bei akuter Flüssigkeitsüberladung bevorzugt. Die starke, rasche Diurese kann innerhalb einer Stunde nach oraler Gabe eine deutliche Zunahme des Harndrangs hervorrufen — eine praktische Überlegung bei der Tagesplanung, gemäß klinischen Leitlinien.
Welche Furosemid-Dosierung ist üblich? ▾
Die Anfangsdosis hängt von Indikation und Schweregrad ab. Bei chronischen Ödemen liegen typische orale Anfangsdosen für Erwachsene bei 20 bis 40 mg ein- oder zweimal täglich, mit Anpassung bis zu 600 mg pro Tag in einigen refraktären Fällen. Bei leichter Hypertonie werden niedrigere Dosen verwendet. Intravenöse Dosen von 20 bis 80 mg sind bei akuter Flüssigkeitsüberladung üblich. Laut Fachinformation müssen Dosisentscheidungen individuell auf Grundlage des klinischen Ansprechens, der Nierenfunktion und des Elektrolythaushalts getroffen werden.
Warum verursacht Furosemid niedriges Kalium? ▾
Furosemid blockiert den NKCC2-Transporter in der Henle-Schleife und erhöht die Natriumzufuhr zum distalen Nephron, wo die Natriumrückresorption gegen die Sekretion von Kalium und Wasserstoffionen ausgetauscht wird. Die Folge ist ein erhöhter Kaliumverlust über den Urin. Laut Fachinformation ist eine regelmäßige Kaliumkontrolle erforderlich, und Kaliumsupplemente oder eine kombinierte Therapie mit kaliumsparenden Diuretika können notwendig werden. Eine schwere Hypokaliämie kann Muskelschwäche, Krämpfe und Herzrhythmusstörungen verursachen.
Kann Furosemid in der Schwangerschaft angewendet werden? ▾
Furosemid wird in der Schwangerschaft im Allgemeinen nicht empfohlen, sofern der Nutzen die Risiken nicht eindeutig überwiegt, da es die Plazenta passiert und das mütterliche Blutvolumen verringern kann. Laut klinischen Leitlinien werden alternative Behandlungen für schwangerschaftsbedingte Ödeme und Hypertonie bevorzugt. In bestimmten Situationen, in denen Furosemid notwendig ist (schwere Herzinsuffizienz, Lungenödem), erfolgt die Anwendung unter fachärztlicher Aufsicht mit sorgfältiger Überwachung.
Welche Wechselwirkungen sind klinisch relevant? ▾
Furosemid weist klinisch relevante Wechselwirkungen mit mehreren Arzneimittelklassen auf. Die Kombination mit Aminoglykosid-Antibiotika erhöht das Ototoxizitätsrisiko; mit NSAR verringert sie die diuretische Wirksamkeit und erhöht das Risiko einer Nierenschädigung; mit Lithium steigen Lithiumspiegel und -toxizität. Kombinationen mit anderen Antihypertensiva können insbesondere bei den ersten Dosen zu übermäßigem Blutdruckabfall führen. Laut Fachinformation sollten alle bestehenden Arzneimittel vor Beginn von Furosemid und bei Dosisänderungen überprüft werden.
Die Informationen auf dieser Website dienen ausschließlich zu Referenz- und Bildungszwecken. Sie ersetzen nicht die Beratung durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal.