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Synthetic estrogen / contraceptive

Ethinylestradiol

Ethinylestradiol ist das synthetische Östrogen in nahezu allen kombinierten hormonellen Kontrazeptiva – Pillen, Pflaster und Vaginalringe. Hohe orale Wirksamkeit und lange Halbwertszeit ermöglichen die einmal tägliche Anwendung mit einem Gestagen. WHO-Liste unentbehrlicher Arzneimittel.

Summenformel
C20H24O2
CAS-Nummer
57-63-6
ATC-Code
G03CA01
Molekulargewicht
296.40 g/mol
Wirkstoffklasse
Synthetic estrogen / contraceptive
Auch bekannt als
EE, EE2, Ethinylestradiol

What is it?

Ethinylestradiol (EE) ist ein synthetisches Östrogen, das erstmals in den 1940er Jahren eingeführt wurde und das dominierende Östrogen in kombinierten hormonellen Kontrazeptiva darstellt – kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK), das Verhütungspflaster (Xulane, Twirla, Evra) und der Vaginalring (NuvaRing, Annovera). Es steht auf der WHO-Liste unentbehrlicher Arzneimittel und gehört zu den am häufigsten verschriebenen Wirkstoffen in der Frauengesundheit. EE wird mit verschiedenen Gestagenen (Drospirenon, Levonorgestrel, Norethisteron, Norgestimat, Desogestrel) kombiniert, wodurch das gesamte Spektrum kombinierter hormoneller Kontrazeptiva entsteht.

Wirkmechanismus

Ethinylestradiol bindet an Östrogenrezeptoren und entfaltet östrogene Wirkungen ähnlich dem natürlichen Estradiol. Die 17α-Ethinylgruppe blockiert den First-Pass-Metabolismus und verleiht EE eine deutlich höhere orale Bioverfügbarkeit und längere Halbwertszeit als Estradiol. In der Kontrazeption wirkt EE synergistisch mit der Gestagenkomponente und unterdrückt die LH- und FSH-Ausschüttung, wodurch die Ovulation verhindert wird. EE stabilisiert zudem das Endometrium und beugt Durchbruchblutungen vor, die bei alleiniger Gestagengabe auftreten würden.

Pharmacokinetics

Ethinylestradiol wird oral gut resorbiert mit einer Bioverfügbarkeit von etwa 40–45 % (eingeschränkt durch enterohepatischen Kreislauf und intestinalen Metabolismus). Die terminale Halbwertszeit beträgt etwa 24 Stunden, was die einmal tägliche orale Einnahme unterstützt. Der Lebermetabolismus erfolgt über CYP3A4, wodurch EE für Wechselwirkungen mit CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin, Johanniskraut) anfällig ist, die die kontrazeptive Wirksamkeit reduzieren können. Pflaster- und Ringformulierungen umgehen den First-Pass-Metabolismus und erzeugen stabilere Plasmakonzentrationen.

Indications

Ethinylestradiol ist als Östrogenkomponente kombinierter hormoneller Kontrazeptiva zur Schwangerschaftsverhütung zugelassen. Es wird auch in zyklischen kombinierten Regimen zur Zyklusregulation, bei Dysmenorrhoe, prämenstruellem dysphorischem Syndrom, Akne und Hirsutismus bei Frauen sowie bei Endometriose eingesetzt. Bioidentisches Estradiol wird gegenüber EE für die postmenopausale Hormonersatztherapie bevorzugt, da EE ein höheres thrombotisches Risiko aufweist. Laut aktuellen kontrazeptiven Leitlinien wird die niedrigste wirksame EE-Dosis bevorzugt, um das Risiko venöser Thromboembolien zu minimieren.

Safety profile

Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Brustspannen, Kopfschmerzen, Durchbruchblutungen, Stimmungs- und Gewichtsveränderungen. Die klassenbedingte Hauptsorge ist die venöse Thromboembolie (VTE), die durch kombinierte EE-haltige Kontrazeptiva etwa um das Dreifache gegenüber dem Ausgangsrisiko erhöht wird, wobei das absolute Risiko je nach Gestagen und Dosis variiert. Rauchen, Alter über 35 Jahre, arterielle Hypertonie und Migräne mit Aura sind Gegenanzeigen. Niedrigere EE-Dosen (20 µg oder weniger) und moderne Gestagene (Levonorgestrel, Norethisteron) sind mit einem geringeren VTE-Risiko verbunden als ältere 50-µg-Pillen.

Arzneimittel mit diesem Wirkstoff

Häufig gestellte Fragen

Warum wird Ethinylestradiol statt natürlichem Estradiol in der Verhütung eingesetzt?

Ethinylestradiol weist eine deutlich höhere orale Bioverfügbarkeit (~45 % gegenüber <5 % bei natürlichem Estradiol) und eine längere Halbwertszeit auf, da die 17α-Ethinylgruppe den First-Pass-Lebermetabolismus blockiert. Dies ermöglicht eine zuverlässige einmal tägliche Einnahme in niedriger Dosierung. Demgegenüber wird natürliches Estradiol in der modernen menopausalen HRT eingesetzt, da es ein physiologischeres Profil und ein geringeres thrombotisches Risiko als EE aufweist.

Worin unterscheiden sich 20-µg-, 30-µg- und 35-µg-EE-Pillen?

Niedrig dosierte Pillen (20 µg) haben weniger östrogene Nebenwirkungen (Übelkeit, Brustspannen) und ein geringeres Risiko für venöse Thromboembolien, aber mehr Durchbruchblutungen. Höher dosierte Pillen (35 µg) bieten eine bessere Zykluskontrolle, aber stärkere östrogene Effekte. Laut aktuellen kontrazeptiven Leitlinien ist der Beginn mit 20–30 µg EE für die meisten Frauen sinnvoll, wobei 35 µg zur Kontrolle von Durchbruchblutungen vorbehalten bleibt.

Können andere Arzneimittel die Verhütung mit Ethinylestradiol beeinträchtigen?

Ja – starke CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, bestimmte Antikonvulsiva, Johanniskraut, einige HIV-Medikamente) können die EE-Plasmaspiegel und damit die kontrazeptive Wirksamkeit reduzieren. Laut Fachinformation sollten Frauen unter solchen Medikamenten zusätzliche oder alternative Verhütungsmethoden anwenden. Die meisten Antibiotika beeinflussen die EE-Verhütung trotz früherer Lehrmeinung nicht; Rifampicin ist eine bedeutende Ausnahme.

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