Clavulansäure (Clavulanat)
Clavulansäure ist ein Beta-Lactamase-Inhibitor, der mit Amoxicillin oder Ticarcillin kombiniert wird, um die Aktivität dieser Antibiotika gegen Beta-Lactamase-bildende Bakterien zu erweitern. Sie besitzt selbst nur minimale antibakterielle Eigenwirkung, schützt aber das Begleitantibiotikum.
- Summenformel
- C8H9NO5
- CAS-Nummer
- 58001-44-8
- ATC-Code
- J01CR02
- Molekulargewicht
- 199.16 g/mol
- Wirkstoffklasse
- Beta-lactamase inhibitor
- Auch bekannt als
- Clavulanic acid, Clavulanato
What is it?
Clavulansäure, auch bekannt als Clavulanat, ist ein natürlich vorkommendes Beta-Lactam, das erstmals aus Streptomyces clavuligerus isoliert wurde. Sie hat eine minimale intrinsische antibakterielle Aktivität, hemmt aber zahlreiche bakterielle Beta-Lactamasen. Clavulansäure wird ausschließlich in Kombination mit einem anderen Beta-Lactam-Antibiotikum angeboten, am häufigsten mit Amoxicillin (Amoxicillin-Clavulansäure, auch Co-Amoxiclav genannt). Sie ist verschreibungspflichtig und steht auf der WHO-Liste unentbehrlicher Arzneimittel.
Wirkmechanismus
Clavulansäure bindet irreversibel an das aktive Zentrum vieler von Bakterien produzierter Beta-Lactamasen der Klasse A und wirkt als 'Suizid-Inhibitor'. Durch die Inaktivierung dieser Enzyme schützt sie das begleitende Antibiotikum – meist Amoxicillin – vor Hydrolyse und stellt die Aktivität gegen Beta-Lactamase-bildende Erreger wie Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis, Klebsiella pneumoniae und viele Anaerobier wieder her. Gegen AmpC- und Extended-Spectrum-Beta-Lactamasen ist Clavulansäure weniger wirksam.
Pharmacokinetics
Clavulansäure wird in Kombinationspräparaten oral gut resorbiert, mit einer Bioverfügbarkeit von etwa 60 %. Die Plasmaproteinbindung beträgt rund 25 %. Etwa 30 % bis 40 % der Dosis werden unverändert renal ausgeschieden, der Rest wird metabolisiert. Die terminale Halbwertszeit liegt bei etwa einer Stunde, ähnlich wie bei Amoxicillin, weshalb beide in Festkombinationen zusammengeführt sind. Bei Niereninsuffizienz ist eine Dosisanpassung der Kombination erforderlich.
Indications
Clavulansäure ist nur als Bestandteil von Festdosis-Kombinationen mit einem anderen Beta-Lactam-Antibiotikum zugelassen. Die häufigste Kombination, Amoxicillin-Clavulansäure, wird bei Erwachsenen und Kindern bei mittelschweren bis schweren Atemwegsinfektionen, Otitis media, Sinusitis, Harnwegsinfektionen, Tier- und Menschenbisswunden sowie ausgewählten Haut- und Bauchrauminfektionen eingesetzt. Laut klinischen Leitlinien ist die Kombination Situationen vorbehalten, in denen Beta-Lactamase-bildende Erreger wahrscheinlich sind.
Safety profile
Häufige Nebenwirkungen von Amoxicillin-Clavulansäure sind Durchfall, Übelkeit und vaginale Candidiasis, in der Regel leicht bis mittelschwer. Clavulansäure ist mit einer höheren Rate an cholestatischer Hepatitis verbunden als Amoxicillin allein, insbesondere bei älteren Patienten und langen Behandlungsdauern. Hautausschlag und Überempfindlichkeitsreaktionen folgen dem Muster der Penicillinallergie. Laut Fachinformation muss die Krankengeschichte vor jeder Verschreibung von einem Arzt überprüft werden, mit besonderem Augenmerk auf Penicillinallergie und frühere Leberreaktionen.
Arzneimittel mit diesem Wirkstoff
Häufig gestellte Fragen
Warum wird Clavulansäure mit Amoxicillin kombiniert? ▾
Viele Bakterien produzieren Beta-Lactamase-Enzyme, die Amoxicillin hydrolysieren und inaktivieren. Clavulansäure bindet diese Enzyme und verhindert die Inaktivierung, sodass die Aktivität von Amoxicillin gegen Beta-Lactamase-bildende Erreger wie Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis und viele Anaerobier wiederhergestellt wird. Laut klinischen Leitlinien wird die Kombination bei Infektionen eingesetzt, bei denen diese Erreger wahrscheinlich sind, einschließlich Bisswunden, Sinusitis und ausgewählten Atemwegsinfektionen.
Ist Clavulansäure allein wirksam? ▾
Clavulansäure besitzt eine minimale intrinsische antibakterielle Aktivität und wird nicht als Einzelwirkstoff eingesetzt. Ihre therapeutische Rolle besteht ausschließlich darin, ein Beta-Lactam-Begleitantibiotikum vor der Hydrolyse durch Beta-Lactamasen zu schützen. Laut Fachinformation wird Clavulansäure nur in Festkombinationen mit Amoxicillin (oral und intravenös) oder Ticarcillin (intravenös, in einigen Märkten) angeboten, mit einem Dosisverhältnis, das Wirksamkeit und Verträglichkeit ausbalanciert.
Warum verursacht Amoxicillin-Clavulansäure mehr Durchfall als Amoxicillin allein? ▾
Die Clavulansäure-Komponente trägt zu gastrointestinalen Beschwerden bei, teilweise durch Effekte auf die Dünndarmmotilität und das Mikrobiom. Durchfall ist eine der häufigsten Nebenwirkungen von Amoxicillin-Clavulansäure, insbesondere bei höheren Dosen. Laut Fachinformation kann die Einnahme der Kombination zu Beginn einer Mahlzeit gastrointestinale Beschwerden reduzieren, und Probiotika können bei manchen Patienten unter ärztlicher Aufsicht hilfreich sein.
Was ist die Amoxicillin-Clavulansäure-assoziierte Leberschädigung? ▾
Amoxicillin-Clavulansäure ist eine der häufigsten Ursachen einer Antibiotika-assoziierten cholestatischen Hepatitis, insbesondere bei älteren Patienten und langen Behandlungsdauern. Die Reaktion ist in der Regel idiosynkratisch und nach Absetzen reversibel; es wurden jedoch Fälle schwerer und selten tödlicher Leberschäden beschrieben. Laut Fachinformation sollten Gelbsucht oder unerklärtes Unwohlsein während oder kurz nach der Behandlung eine ärztliche Abklärung veranlassen.
Was sind die wichtigsten Gegenanzeigen? ▾
Amoxicillin-Clavulansäure ist bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Penicilline oder Beta-Lactame und in der Anamnese schwerer Überempfindlichkeit oder Amoxicillin-Clavulansäure-assoziierter cholestatischer Gelbsucht oder Leberfunktionsstörung kontraindiziert. Vorsicht ist geboten bei Niereninsuffizienz (mit Dosisanpassung), Pfeifferschem Drüsenfieber und Patienten unter Allopurinol. Laut Fachinformation muss die Krankengeschichte vor jeder Verschreibung von einem Arzt überprüft werden.
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