Konjugierte Östrogene
Konjugierte Östrogene sind eine Mischung aus Östrogensulfaten, gewonnen aus dem Urin trächtiger Stuten, und werden in der postmenopausalen Hormonersatztherapie eingesetzt. Erhältlich als orale Tabletten und topische Formulierungen, vorwiegend unter dem Handelsnamen Premarin.
- CAS-Nummer
- 12126-59-9
- ATC-Code
- G03CA57
- Molekulargewicht
- 265-272 g/mol (mixture)
- Wirkstoffklasse
- Hormone replacement therapy (estrogen mixture)
- Auch bekannt als
- CE, Premarin
What is it?
Konjugierte Östrogene sind eine Mischung natürlich gewonnener Östrogensulfatester, die ursprünglich aus dem Urin trächtiger Stuten extrahiert wurden. Die Substanz wird seit den 1940er Jahren unter dem Handelsnamen Premarin (hergestellt von Wyeth, jetzt Pfizer) klinisch eingesetzt und gehört zu den am längsten etablierten Optionen der Hormonersatztherapie für postmenopausale Frauen. Die Mischung enthält überwiegend Estronsulfat (etwa 50 %), Equilinsulfat (etwa 25 %) sowie geringere Mengen weiterer Östrogensulfate. Synthetisch konjugierte Östrogene und zugelassene Generika bieten Alternativen.
Wirkmechanismus
Konjugierte Östrogene wirken über Östrogenrezeptoren im gesamten Körper und stellen die nach der Menopause verlorengegangene Östrogensignalisierung wieder her. In der Hormonersatztherapie behandeln sie vor allem vasomotorische Beschwerden (Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen) sowie das urogenitale Menopausensyndrom (vaginale Atrophie, Harnsymptome). Sie verlangsamen außerdem den postmenopausalen Knochenabbau und verringern das Risiko osteoporotischer Frakturen. Laut Fachinformation ist bei Frauen mit intaktem Uterus die zusätzliche Gabe eines Gestagens erforderlich, um eine östrogenbedingte Endometriumhyperplasie zu verhindern.
Pharmacokinetics
Nach oraler Gabe werden konjugierte Östrogene im Darm teilweise zu aktiven Östrogenen (vorwiegend Estron) hydrolysiert, die anschließend resorbiert und in der Leber teilweise wieder konjugiert werden. Die komplexe Pharmakokinetik umfasst einen enterohepatischen Kreislauf. Steady-State-Plasmakonzentrationen von Estron werden bei regelmäßiger täglicher Einnahme innerhalb weniger Tage erreicht. Der hepatische Metabolismus über CYP3A4 erzeugt sowohl aktive als auch inaktive Metaboliten. Die Ausscheidung erfolgt überwiegend über Urin und Fäzes.
Indications
Konjugierte Östrogene sind zugelassen bei mittelschweren bis schweren vasomotorischen Beschwerden der Menopause, vulvovaginaler Atrophie infolge der Menopause, zur Osteoporoseprävention bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Risiko sowie bei primärer Ovarialinsuffizienz oder weiblichem Hypogonadismus. Bei Frauen mit intaktem Uterus ist die Kombination mit einem Gestagen erforderlich. Laut aktuellen Leitlinien wird eine Hormontherapie idealerweise innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause und vor dem 60. Lebensjahr begonnen, wenn das Nutzen-Risiko-Profil am günstigsten ist.
Safety profile
Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Brustspannen, Flüssigkeitsretention, Kopfschmerzen und Durchbruchblutungen. Die klinisch wichtigsten Risiken sind ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien (insbesondere bei oraler Anwendung), ein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei langfristiger kombinierter Therapie sowie ein leicht erhöhtes Schlaganfallrisiko. Das Risiko für Endometriumhyperplasie und -karzinom steigt bei Frauen mit Uterus ohne begleitendes Gestagen deutlich. Ein in Beobachtungsstudien beschriebener kardiovaskulärer Nutzen wurde in randomisierten Studien nicht bestätigt und kann vom Alter und vom Abstand zur Menopause abhängen.
Arzneimittel mit diesem Wirkstoff
Häufig gestellte Fragen
Woraus werden konjugierte Östrogene gewonnen? ▾
Das ursprüngliche Premarin enthält konjugierte Östrogene aus dem Urin trächtiger Stuten – der Markenname kombiniert 'PRE'gnant 'MAR'es' urI'N'e (trächtige Stutenurin). Die Mischung enthält natürlich vorkommende Östrogensulfate, vor allem Estronsulfat, Equilinsulfat und mehrere kleinere Östrogenkomponenten. Synthetische Alternativen und Generika bieten pflanzlich gewonnene oder chemisch synthetisierte Mischungen, die dem Zusammensetzungsprofil des Originalpräparats entsprechen. Laut Fachinformation erzeugen alle Formen bei äquivalenter Dosierung eine vergleichbare Aktivierung des Östrogenrezeptors.
Wann sollte eine Hormonersatztherapie begonnen werden? ▾
Laut aktuellen Leitlinien hat eine Hormonersatztherapie, die innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause und vor dem 60. Lebensjahr eingeleitet wird, bei symptomatischen Frauen das günstigste Nutzen-Risiko-Profil. Ein Beginn mehr als 10 Jahre nach der Menopause oder nach dem 60. Lebensjahr ist mit einem höheren kardiovaskulären und thromboembolischen Risiko verbunden und wird in der Regel vermieden. Entscheidungen sollten individuell auf Grundlage der Symptomschwere, der persönlichen und familiären Anamnese (Brustkrebs, Thrombose) und der Präferenzen erfolgen.
Brauche ich zusätzlich ein Gestagen zu konjugierten Östrogenen? ▾
Frauen mit intaktem Uterus benötigen eine begleitende Gestagentherapie, um eine östrogenbedingte Endometriumhyperplasie und ein Endometriumkarzinom zu verhindern. Das Gestagen kann kontinuierlich (täglich) oder zyklisch (12-14 Tage pro Monat) verabreicht werden. Frauen ohne Uterus (nach Hysterektomie) benötigen in der Regel kein Gestagen. Laut Fachinformation erhöht das Weglassen des Gestagens bei Frauen mit Uterus das Risiko für Endometriumkarzinome erheblich, ohne kompensierenden Nutzen.
Was unterscheidet Premarin von generischen konjugierten Östrogenen? ▾
Premarin ist die Originalmarke von Pfizer für konjugierte Östrogene aus Stutenurin. Zugelassene generische konjugierte Östrogene enthalten dieselbe Molekülmischung und erfüllen dieselben regulatorischen Anforderungen an die Bioäquivalenz; Unterschiede betreffen Hersteller, Quelle (einige Generika verwenden synthetische Östrogene), Hilfsstoffe und Preis. Laut klinischen Leitlinien ist ein zugelassenes Generikum bei den meisten Frauen ein akzeptabler Ersatz für Premarin.
Gibt es Alternativen zu konjugierten Östrogenen bei menopausalen Beschwerden? ▾
Alternative Östrogene in der HRT umfassen Estradiol (oral, transdermal, vaginal) sowie niedrig dosierte vaginale Östrogene ausschließlich bei urogenitalen Beschwerden. Nicht-hormonelle Optionen für vasomotorische Symptome umfassen bestimmte Antidepressiva (Paroxetin, Venlafaxin), Gabapentin und Lebensstilmaßnahmen. Laut aktuellen Leitlinien haben transdermale Östrogene ein geringeres thromboembolisches Risiko als orale Östrogene und können bei einigen Patientinnen bevorzugt werden.
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